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<title>Stenz</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Stenz</span></h1>
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<p>Der aus dem <a href="Rotwelsch" title="Rotwelsch">Rotwelschen</a> stammende Begriff <b>Stenz</b> bezeichnet sowohl einen Stock oder Wanderstab als auch – davon abgeleitet – einen <a href="Zuh%C3%A4lterei" title="Zuhälterei">Zuhälter</a> oder einen Frauenhelden. Als Wurzel wird <i>stemmen</i> oder ein älteres <i>stenzen</i> in der Bedeutung „stoßen“ angenommen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bezeichnung_für_Stock"><span id="Bezeichnung_f.C3.BCr_Stock"></span>Bezeichnung für Stock</h2></div>
<p>Die Bezeichnung ist spätestens seit 1687<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> – zunächst als <i>Stemß</i>, seit dem frühen 19. Jahrhundert als <i>Stenz</i> – in der Bedeutung ‚Stock‘, ‚Wanderstab‘ belegt. Bei den <a href="Wanderjahre" title="Wanderjahre">fahrenden Handwerkern</a> versteht man darunter den typischen knotig verdrehten oder <a href="Helix" title="Helix">wendelförmig</a> gewachsenen Wanderstock. Er dient neben seiner Funktion als <a href="Wandern" title="Wandern">Wanderstock</a> auch zur Verteidigung. Der Stenz erhält seine charakteristische Form dadurch, dass er von einer <a href="Schlingpflanze" title="Schlingpflanze">Schlingpflanze</a>, zum Beispiel <a href="Heckenkirschen" title="Heckenkirschen">Geißblatt</a> oder <a href="Kn%C3%B6teriche" title="Knöteriche">Knöterich</a>, während des Wachstums umschlungen und so geformt wird. Die Schlingpflanze windet sich um einen jungen Baum oder einen Ast, und da sie nicht dehnbar ist, bekommt der Baum (oder Ast) beim Wachstum die typischen Auswulstungen, er wächst aus der Umschlingung heraus. Deshalb ist ein Stenz auch vorwiegend an Flussläufen zu finden, wo die genannten Schlingpflanzen bevorzugt wachsen. In Kreisen des fahrenden Handwerks besteht die Ansicht, dass man einen „echten“ Stenz nicht finden kann, sondern dass der Stenz seinerseits den Besitzer auswählt und „findet“.
</p><p>Meist übernimmt der Handwerksgeselle die Fertigung des eigenen Stocks. Es gibt die Stöcke vereinzelt aber auch von Traditionsbetrieben des <a href="Berufskleidung" class="mw-redirect" title="Berufskleidung">Berufskleidungsfachhandels</a>
.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Eine spezielle Variante der als <i>Stenz</i> bezeichneten Wanderstöcke ist der in Kreisen einiger Studentenverbindungen verbreitete <a href="Ziegenhainer" title="Ziegenhainer">Ziegenhainer</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Personenbezeichnung">Personenbezeichnung</h2></div>
<p>Als <a href="Metonymie" title="Metonymie">Metonymie</a> übertragen vom Stock auf dessen Träger bedeutet <i>Stenz</i> sowohl in Rotwelsch wie auch in einigen deutschen Mundarten „Zuhälter“ (z. B. <a href="K%C3%B6lsch_(Sprache)" title="Kölsch (Sprache)">Kölnische</a> und <a href="Z%C3%BCrichdeutsch" title="Zürichdeutsch">Zürcher</a> Umgangssprache) bzw. „Mann, der sich im Rotlichtmilieu bewegt und entsprechend kleidet“ oder allgemeiner „Geck, eitler Mensch, Weiberheld“.
</p><p>Das Bild des urbanen Münchener Stenzes wurde in jüngerer Zeit geprägt durch die Fernsehserie <i><a href="Monaco_Franze_%E2%80%93_Der_ewige_Stenz" title="Monaco Franze – Der ewige Stenz">Monaco Franze – Der ewige Stenz</a></i> (1983) mit dem 1997 verstorbenen Schauspieler <a href="Helmut_Fischer" title="Helmut Fischer">Helmut Fischer</a> in der Hauptrolle des Franz Münchinger. Der Regisseur der Serie, <a href="Helmut_Dietl" title="Helmut Dietl">Helmut Dietl</a>, definierte den <i>Stenz</i> folgendermaßen:<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Von etwas windiger Eleganz, der jeweils herrschenden Mode immer einen Schritt vorausstolzierend, hat der Stenz die Pflege seines Haupthaares sowie die Pflege seiner Schuhe – von denen er unzählige besitzt – zu kultischen Handlungen entwickelt. Er legt Wert auf Umgangsformen bzw. das, was er dafür hält, und schafft es, das oberste Ausstrahlungsziel dabei nicht aus den Augen zu verlieren: immer cool und lässig zu sein.“
</p>
</blockquote>
</div></div>
<p>In der engeren Bedeutung „Zuhälter, Dealer, Gangster“ ist <i>Stenz</i> auch in der Sprache des <a href="Deutscher_Hip-Hop" title="Deutscher Hip-Hop">Deutschrap</a> gebräuchlich geworden, so besonders in den Songtexten des Labels <a href="Eko_Fresh" title="Eko Fresh">German Dream</a> und der dort vertriebenen <i>Stenz Music</i> von <a href="Eko_Fresh" title="Eko Fresh">Eko Fresh</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bezeichnung_für_Penis"><span id="Bezeichnung_f.C3.BCr_Penis"></span>Bezeichnung für Penis</h2></div>
<p>Im Rotwelschen (spätestens 1904<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> in der Form <i>G’stens</i>) und in der Wiener Umgangssprache (<i>Gschdends</i>, <i>Gstänz</i>) bezeichnet das Wort auch das männliche Geschlechtsorgan, abgeleitet von der Person des Stenzes und ihrer Beziehung zur Weiblichkeit, als obszöne Zweitbedeutung zu „Stock“ (vgl. <i>Prügel</i>) oder auch zu den Verben <i>stemmen</i> (wienerisch <i>schdemman</i>) bzw. <i>stanzen</i> in deren obszöner Zweitbedeutung für die Ausübung des Geschlechtsverkehrs.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Stenzen_als_Verb"><i>Stenzen</i> als Verb</h2></div>
<p>Vom Stock (als Schlaginstrument) oder von seinem Träger (und dessen milieubedingten Verhaltensweisen) abgeleitet, ist im Rotwelschen und in einigen Mundarten das Verb <i>stenzen</i> in den Bedeutungen „schlagen“ und „stehlen“, besonders „Obst stehlen“, gebräuchlich und deshalb zuweilen auf das Abschlagen des Obstes mit einem Stock zurückgeführt. In Österreich ist dafür <i>stanzen</i> geläufiger.
</p><p>Der Duden beschreibt die Bedeutung als
„flanieren, bummeln“.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Kluge, <i>Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache</i>. Bearbeitet von Elmar Seebold, 23., erw. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin / New York, 1995, s. v. Stenz</li>
<li><a href="Siegmund_A._Wolf" title="Siegmund A. Wolf">Siegmund A. Wolf</a>: <i>Wörterbuch des Rotwelschen / Deutsche Gaunersprache</i>. Bibliographisches Institut, Mannheim, 1956, s. v. Stenz (no. 5570)</li>
<li><i>Deutsches Wörterbuch</i> der Brüder Grimm, Bd. 10, Abt. 2, Teil 2, Leipzig 1960, s. v. Stenz (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GS44785">Online-Version</a>)</li>
<li><a href="Bodo_Mrozek" title="Bodo Mrozek">Bodo Mrozek</a>: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20070304070505/http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,469603,00.html">Das bedrohte Wort: der ewige Stenz.</a></i> In: <i>Spiegel Online</i>, 2. März 2007</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Stenz" class="extiw external" title="wikt:Stenz">Wiktionary: Stenz</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anmerkungen">Anmerkungen</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Specificatio derer von denen allhier gefänglich sitzenden Inquisiten Andreas Hempeln und Augustin Nollen angegebenen Diebes-Wirthe</i>, 23. Mai 1687. Auch bekannt als: <i>Wahlerey des Andreas Hempel</i></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Jürgen Eustachi: <i>Knopf und Stenz.</i> In: <i><a href="Die_Rheinpfalz" title="Die Rheinpfalz">Die Rheinpfalz am Sonntag</a></i>, 5. Oktober 2008, Seite 19.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Helmut Fischer: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.sueddeutsche.de/muenchen/helmut-fischer-immer-laessig-und-von-etwas-windiger-eleganz-1.742038">„Immer lässig und von etwas windiger Eleganz“: Helmut Dietl über die Figur des „Monaco Franze“.</a></i> In: <i>sueddeutsche.de</i>, 13. November 2006.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Max Pollak: <i>Wiener Gaunersprache.</i> In: <i><a href="Archiv_f%C3%BCr_Kriminologie" title="Archiv für Kriminologie">Archiv für Kriminal-Anthropologie und Kriminalistik</a></i>, 15. Band, Zweites und drittes Heft, 6. Juni 1904, Seite 171–237. <a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/details/archivfurkriminalanthropologieundkriminalistikv.15.1904/page/n181/mode/2up?view=theater">Digitalisat</a></span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.duden.de/rechtschreibung/stenzen"><i>Duden | stenzen | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft.</i></a><span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 9. Oktober 2020</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AStenz&rft.title=Duden+%7C+stenzen+%7C+Rechtschreibung%2C+Bedeutung%2C+Definition%2C+Herkunft&rft.description=Duden+%7C+stenzen+%7C+Rechtschreibung%2C+Bedeutung%2C+Definition%2C+Herkunft&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.duden.de%2Frechtschreibung%2Fstenzen&rft.language=de"> </span></span>
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